Who the Fuck is Kafka

Bühnenbild Theater Heidelberg (mit Marc Bausback) 2016

Lizzie Doron, israelische Schriftstellerin, trifft auf einer Friedenskonferenz in Rom den palästinensischen Filmemacher Nadim Abu Hanis. Trotz tiefsitzender Feindbilder und neurotisch-paranoider Gefühle füreinander entwickeln sie gemeinsame Pläne: Sie will ein Buch über ihn schreiben, er einen Film über sie drehen. Als Jüdin mit High Heels in Ost-Jerusalem? Als Palästinenser im vornehmen Tel Aviver Apartmentgebäude? Von Anfang an ist es eine wechselvolle Freundschaft, die zwischen den beiden entsteht, trotz bester Vorsätze immer begleitet von Vorurteilen und Unverständnis. Ihm hilft meistens Schokolade, sie rettet ihr Humor. Fünf Jahre später ist der Plan zur Hälfte gescheitert. Nadim heißt nur in Lizzie Dorons Roman so, es ist ein Deckname, um seine Identität zu schützen – und sein Film wurde nie fertiggestellt.

Happy Birthday

Performance, Chapter Arts Cardiff/Wales 2014

Auf Einladung des Chapter Arts Center in Cardiff/Wales thematisierte die Einzelausstellung „Happy Birthday“ 100 Jahre 1.Weltkrieg bzw. die Folgen für die Gegenwart. Die beiden wesentlichen Kreaturen, die aus dem 1.Weltkrieg hervorgingen, sind der Zombie und der Cyborg. Der Verlust der westlichen Kultur, mittels Mythologie die Realgeschichte nicht mehr in eine Heilsgeschichte umwandeln zu können, ist auf das Auflösen des Konflikts zwischen Natur und Kultur/Zivilisation, die klassische Vorraussetzung für gesellschaftliche Entstehungsmythologien, als ein entscheidender Faktor zurückzuführen.
Der Zombie ist demnach Allegorie auf den gefallenen Engel oder den verotteten mythologischen Helden, also dem Verlust und dem Vergangenen zuzuordenen, während der Cyborg, den ursprünglichen Konflikt zwischen Natur und Maschine bereits in sich tragend, für eine wie auch immer auszusehende Zukunft steht und neues Potential für posthumanistische Diskurse bereithält.

Die Stunde des Cowboys

Performance, 2000-2012

„ (…) Wenn er gerade nicht deklamiert oder im Wasser schwebt, fügt Dettmeier dem Mythos neue, seltsame Bausteine hinzu. Lässt seine „ Ghostriders “ durch Mondlandschaften reiten, die er in der Haldenlandschaft des Ruhrgebiets findet. Christoph Dettmeier tanzt einen einsamen und komischen Reigen mit sich selbst, einen Walzer auf einem Friedhof, der tatsächlich ein zerbombter deutscher Bunker in Frankreich ist oder lässt von Hitler geplante Wolkenkratzer zu Ruinen zerfallen. (…)“
Magdalena Kröner “ANTIFOTO” (Jahrgang 3/2012)

„ (…) In 2009, Christoph Dettmeier, …, did a version of “Ride ‘em Jewboy“: he sang along to Friedman‘s song immersed in the shadows of a slide projection of sites in Berlin that were significant to both Jewish life and Nazi rule. Dettmeier‘s act of mimesis enters into transatlantic feedback with Friedman‘s song – the irony cancels itself out to render an authentic sense of mourning. (…) “
Jörg Heiser „What is Appropriate“ (frieze, Issue 130, April 2010)

Fare Una Scenata

Fondazione Morra Greco/Neapel, 2008

(…) During the opening of “Fare una scenata”, Dettmeier realized a new version of his series of performances entitled “Country Caraoke”. Dettmeier beautifully sings karaoke of some of his favourite Country tunes about tragic love relationship, intermittent with a short lecture about the catholic female role models that are peculiar to the so-called Spaghetti Western genre. Dettmeier’s performance includes a slide show of urban wastelands – some from Naples – which are practically the “Monument Valleys” of today, and a formalized “dance” interaction between Dettmeier and a video projection. All these elements – together with a simple stage set – form the work, which remained on display in a transformed state for the duration of the exhibition, including an artist book containing the material used in the performance lecture on the opening night. (…)
Jörg Heiser, Katalogtext

Der Westerner

Seit 1998 entstanden zur Auseinandersetzung mit dem Western als moderne, gesellschaftliche Entstehungsmythologie, erst vor allem in Anwendung an die sozialen und räumlichen Bedingungen im Ruhrgebiet, später als globales Werkzeug zur Untersuchung scheinbar surrealer Begleiterscheinungen im sogenannten Strukturwandel aller Ortens zahlreiche Zeichnungen, Drucke, Objekte, Installation, fotografische Arbeiten, Performances und Videos.

„Das Interesse des Publikums am Western hat Wurzeln, die tief in die Vergangenheit reichen. Von den Gesängen Homers spannt sich der Bogen über die Heldensagen des Mittelalters bis zu den sizilianischen Trivialdramen der Paladini di Francia. (…)
Das Ausmaß der Faszination des Zuschauers ist proportional zu dem Talent des Regisseurs, die Grenzen zum Irrealen auszudehnen, ohne sich in die Bereiche des Absurden oder des Surrealen zu verirren. Wie alle Fabelkünste hat der Western seine festen Regeln von Punkt und Kontrapunkt, wie das klassische Ballett hat er seinen Katalog von Rhythmen und Positionen. Seine wichtigsten Mühen wendet der Regisseur darauf, den Darstellern die richtigen Bewegungen, Gangarten und Blicke beizubringen.“
Sergio Leone, „ An den Grenzen des Irrealen: Der Western“

Fotosaloon

Zeche Zollverein/ Folkwang Museum/Ruhrfestspiele Recklinghausen 2003/2004

Auf dem Gelände der Zeche Zollverein wurde im Sommer 2003 dem Besucher die Möglichkeit gege-
ben, sich als Westerner im magischen Moment des Betretens eines Saloons durch die Schwingtür ab-
lichten zu lassen. Er befindet sich jetzt auf der Schnittstelle zwischen den Gefahren der Wildnis, die bereits hinter ihm liegen und der Bedrohung aus der Zivilisation, die im dunklen Raum auf ihn wartet.

2004 wurde das mobile Fotostudio in Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin auf die von Bert Neumann konzipierten Architekturen, die kulissenhaft Western-Stadt und polnische Bergarbeitersiedlung gleichermassen verkörperten, auf die Situation des Festspielgeländes angewendet.

Saloon

pq-projekte/Wuppertal 2002

In der ehemaligen Schnürsenkel-Fabrik Huppertsberg in Wuppertal wurde vorübergehender Leerstand durch den Einbau eines Saloons genutzt. Eine Wand wurde mit vor Ort befindlichen Material ersetzt, der vermeintlich innere Raum des Saloons zur Bühne und die Landschaft zum Terrarium.
Während der Ausstellung wurde der Ort mit Filmscreenings, DJs, Performances und Konzerten wie z.B. elektronische Improvisationen des September Kollektivs bespielt.

FINE

Galerie Simon Spiekermann, Düsseldorf 2000

Während der Ausstellung “FINE” wurde in den Galerienräumen ein Schießstand betrieben.
Die an eine Ästhetik des Italo-Western angelehnte Staubmantel- und Hut-Garderobe konnte vom Besucher mitbenutzt werden. Als Edition diente
eine vom Schützen an beliebiger Stelle der Figur angeheftete Zielscheibe, die nach dem Schiessgang
abgestempelt wurde. Auf einer Tafel wurde der aktuelle Highscore festgehalten.